Melanie Brosowski Autorin

Schaut man im Englisch-Deutsch-Wörterbuch unter "Spin-off" nach, so findet man diesen Begriff dort als "Ableger, Nebenprodukt" übersetzt. Ursprünglich kommt dieser Begriff allerdings aus der amerikanischen Wirtschaft und bezeichnet die Ausgliederung und Verselbstständigung einer Abteilung oder eines Unternehmensteils aus einer Unternehmung beziehungsweise einem Konzern. Genauer gesagt kommt die Bezeichnung aus der Börsen-Sprache:

"Bei einem Spin-off gliedert eine bestehende Firma einen Teil des Unternehmens als eigenständige Firma aus. Als Ausgleich für die Abgabe dieses Firmenteils erhalten die alten Aktionäre Aktien des neuen Unternehmens gratis beziehungsweise zumindest das Recht, diese neuen Aktien zu kaufen. Macht der Aktionär von diesem Recht keinen Gebrauch, so kann er das Kaufrecht ebenfalls an der Börse verkaufen (Bezugsrechthandel). In beiden Fällen (Ausgabe von Neu-Aktien oder Verkauf von Bezugsrechten) sollten dem Alt-Aktionär keine finanziellen oder rechtlichen Nachteile entstehen. Spin-offs bieten Unternehmen die Möglichkeit, durch Umwandlung eines Unternehmensteils in eine Beteiligung kurzfristig Kapital zu erlangen. Spin-offs können auch der erste Schritt zu einem kompletten Verkauf eines Unternehmensteils sein." (Zitat FAZ-Börsenlexikon.) Unter Spin-off.de findet man allerdings keine Definition, sondern lediglich das Gründerportal Mainfranken.

Aber mit der Übersetzung "Ableger" ist uns schon geholfen. Spin-offs sind in der Filmbranche nämlich nichts weiter als Ableger, wenn der Film, die ganze Serie, eine oder mehrere Figuren der Serie beziehungsweise des Films so interessant sind, dass man aus diesen Figuren eine neue, eigene Serie oder einen weiteren Film schaffen kann.
Meist sind es Serien, die auf einem Film basieren, wie zum Beispiel die Serie "Stargate" (1997), die auf Roland Emmerichs gleichnamigem Film von 1994 basiert. Obwohl in der Serie andere Schauspieler die Charaktere verkörpern, ist "Stargate" sehr erfolgreich.

Aber auch andersrum funktioniert es. Bei "Akte X" nämlich gab es zuerst die sehr erfolgreiche Serie (1993), und dann kam ein Film (1998). Hier wurden die Schauspieler beibehalten, was bei einer laufenden Produktion, anders als bei "Stargate" damals, natürlich Sinn macht. Es gab sogar, neben dem Film, ein Spin-off der Serie, nämlich "The Lone Gunman - Die einsamen Schützen". Hierbei handelt es sich um drei immer wiederkehrende Charaktere aus "Akte X", die bei den Fans so beliebt waren, dass man ihnen eine eigene Serie gab.

Auch nicht ungewöhnlich und mittlerweile häufig gemacht: eine Serie aus einer Serie. Hierbei bricht "Star Trek" natürlich sämtliche Rekorde. 1966 flimmerte "Star Trek: Raumschiff Enterprise" zum ersten Mal über die amerikanischen Bildschirme und spaltete die Nation. Die einen fanden es schrecklich und protestierten gegen den ersten öffentlichen Kuss zwischen einer Schwarzen (Uhura, gespielt von Nichelle Nichols) und einem Weißen (Captain Kirk, William Shatner), und die anderen waren begeistert von Gene Roddenberrys Zukunftsvision eines friedlichen Miteinanders. Das erste Spin-off von "Star Trek" folgte 1973 in Form einer Zeichentrickserie: "Star Trek: The Animated Series". 1979 (US-Erstausstrahlung) gab es dann mit "Star Trek: Der Film" den ersten Kinofilm der Crew aus "Star Trek: Raumschiff Enterprise". 1982 folgte der zweite Kinofilm "Star Trek: Der Zorn des Khan", 1984 "Star Trek: Auf der Suche nach Mr. Spock", 1986 "Star Trek: Zurück in die Gegenwart".

Zu diesem Zeitpunkt wurde ein neuer Ableger der Originalserie gedreht, nämlich "Star Trek: Das nächste Jahrhundert". Während der Laufzeit dieser Serie gab es weiter Kinofilme, 1989 "Star Trek: Am Rande des Universums" und 1991 "Das unentdeckte Land". Auch die Schauspieler von "Star Trek: Das nächste Jahrhundert" schafften es auf die Kinoleinwand: 1994 mit "Star Trek: Treffen der Generationen", 1996 kam "Star Trek: Der erste Kontakt", 1998 "Star Trek: Der Aufstand" und 2002 "Star Trek Nemesis". Bereits 1993, also noch während die letzte Staffel lief, drehte man bereits ein weiteres Spin-off: "Star Trek: Deep Space Nine". Beflügelt von dem Erfolg wartete Paramount auch hier nicht länger, begann 1995 mit den Dreharbeiten zu "Star Trek: Raumschiff Voyager". Der neuste Ableger von Captain Kirk und Co. stammt aus dem Jahr 2001 und heißt "Star Trek: Enterprise". Doch was bewegt die Filmbranche zu Spin-offs?

Dafür gibt es viele Gründe, wie ich am Beispiel von "Star Trek" aufzeigen möchte.

a) Fangemeinde
Mit Spin-offs müssen die Produzenten nicht eine ganz neue Zuschauerschaft von der Qualität ihres Werkes überzeugen. Viele "Star Trek: Raumschiff Enterprise"-Fans werden aus Neugier und Leidenschaft ins Kino gegangen sein und sich die neue Serie angesehen haben.

b) Bekannter Name
Natürlich macht ein bekannter Name sehr viel aus. Wer "Star Trek" hört, weiß meist, was gemeint ist und schaltet ein. Zudem steht zumindest der Name "Star Trek" für ein gewisses Maß an Qualität.

c) Fertiges Grundgerüst
Bei einem Spin-off stehen sozusagen die Grundmauern schon. Man muss sich für die Serie kein neues Konzept und eventuell neue Charaktere ausdenken, sondern übernimmt meist die alten und schreibt nur neue Geschichten.

d) Nostalgie
Durch ein Spin-off werden die Zuschauer an das Original erinnert, fragen sich, was man denn Neues bringt und schon schalten sie ein. Auch freut es viele, eventuell einen alten bekannten Lieblingscharakter wiederzusehen.

e) Geldmacherei
Natürlich vergisst die Filmindustrie den Merchandise-Bereich nicht. Mit Spin-offs lässt sich Geld aus einer alten Idee machen, wie zum Beispiel auch noch mehr als 30 Jahre nach der Erstausstrahlung von "Star Trek".

Natürlich haben Spin-offs auch Nachteile.

a) Billiger Abklatsch
Viele Zuschauer vergleichen das Original mit dem Spin-off und häufig kommt dabei Letzteres zu kurz, sodass es zur Absetzung kommt.

b) Qualitätsmängel
Die Produzenten hoffen, dass der Name der Serie die Fans und Zuschauer hält und sie weniger auf die Qualität der Drehbücher achten müssen. Oft hat man als Zuschauer den Eindruck "Das habe ich doch schon mal gesehen".

Auch wenn das Original noch so hohe Einschaltquoten hatte, ein Spin-off ist keine Erfolgsgarantie.

Es gibt Spin-offs, die waren sehr erfolgreich, und es gibt welche, die waren es nicht. Einige Ableger haben lediglich den Pilotfilm geschafft, die erste Staffel wurde nicht einmal gedreht. Als Beispiel hierfür möchte ich "Bonanza" anführen. Von 1960 bis 1972 liefen über 430 Folgen dieser Western-Serie. 1995 plante man mit den Kindern der damaligen Schauspieler eine Rückkehr. Aber der Film floppte dermaßen, dass man an eine Neuauflage der Serie gar nicht mehr dachte. Die eigentlich mit hohen Zuschauerquoten gesegnete Serie "21 Jump Street" brachte den Ableger "Booker" hervor, der allerdings nur die erste Staffel überlebte und dann abgesetzt wurde. Was "Star Trek" geschafft hat (fünf Serien und zehn Filme) bleibt wohl auf lange Zeit unübertroffen.

2004 (c) Melanie Brosowski