Melanie Brosowski Autorin

Rezensionen

Es heißt, dass nichts ohne Grund geschieht ...

"Apocalypsia"

Buchrücken/Einband: Es heißt, sobald ein Kind zur Welt kommt, legt ihm ein Engel einen Finger auf den Mund; so vergisst es augenblicklich alle göttlichen Geheimnisse. Nur die kleine Furche zwischen Nase und Mund bleibt als Spur zurück. Doch als sich das letzte aller Geheimnisse offenbart, müssen die Engel erkennen, dass auch sie nicht alles wissen: Gott liegt im Sterben, und mit ihm die gesamte Schöpfung. Es sei denn, sein Platz wird neu besetzt ...

 

Die Erkenntnis seiner Sterblichkeit ist ein Schock, das Versprechen vom ewigen Leben eine Lüge. Das Heer der Engel spaltet sich. Wer die Freiheit will, folgt Luzifer, dem schönsten und mächtigsten unter ihnen. Sein Plan ist so schlicht wie verführerisch: Sind erst die missratenen Menschen vernichtet, kann der paradiesische Urzustand wiederhergestellt werden. Die kleine Schar um den einfachen Engel Nathanael, die entschlossen die alte Ordnung verteidigt, ist ganz auf sich allein gestellt. Intrigen, Verrat und Mord führen schließlich in die Katastrophe, und die Erde erlebt schon bald ein Horrorszenario. Nur Esther und Judith sehen dort die Apokalypse kommen, denn sie allein wissen, dass alles seine Zeit hat, und wenn das eine stirbt, wird das andere geboren.

Inhalt

Das Unmögliche geschieht: Gott liegt im Sterben. Luzifer, der gefallene und verbannte Engel, beansprucht den Thron für sich. Eine Prophezeiung jedoch besagt, dass der einfache Engel Nathanael die unvermeidbare Schlacht entscheiden wird. Als er geboren wird, ist er anders als alle Engel − er ist verkrüppelt. Nur wenige, unter ihnen sein Lehrmeister Iax, glauben an ihn, der halb Mensch, halb Engel ist und es wagt, den Seraphim und Cherubim zu widersprechen.

Die Engel versuchen alles, um den Krieg zu verhindern, doch Luzifer ist nicht daran interessiert, zu groß ist seine Schmach, dass er schon einmal von Michael besiegt und von seinem Vater verbannt wurde. Der Krieg beginnt − und zerstört nicht nur die Welt der Engel, sondern auch die der Menschen. Das Wasser färbt sich rot, Heuschrecken fallen über die Menschen her, Berge, Häuser, alles zerfällt zu Staub. Die Kontinente brechen auseinander ...

Die Uneinigkeit und Perfektion der Engel wird zu ihrem Verhängnis, denn sie haben niemals gelernt, über sich hinauszuwachsen. Nathanael führt die wenigen, die an ihn glauben, in die Schlacht. Unzählige sterben, einfache Engel, Cherubime, Seraphime, ... Der Gegner ist übermächtig, denn Luzifer, gottgleich, schön, perfekt, mächtig, weiß auch die Entflammten hinter sich, Engel, die nur noch den blinden Gehorsam kennen. Als Nathanael ihm gegenübersteht, überkommt beide eine bittere Erkenntnis ...

Kritik

Das Buch ist ungewöhnlich schmal, aber daran gewöhnt man sich schnell. Mit seinen 624 Seiten ist es ziemlich dick und damit nicht wirklich für die kleine Handtasche geeignet. Das Cover in dunkelrot/schwarz ist passend zum blutigen Thema, lediglich den lang gezogenen Titel empfinde ich als schwer zu lesen. Unterhalb des Schutzumschlages kommt das Buch in Weiß mit ein paar "Blutstropfen" daher − alles in allem also recht stimmig; und natürlich fehlt auch das obligatorische Lesebändchen nicht.

Der Schreibstil ist flüssig, ja fast möchte ich ihn schon als poetisch bezeichnen. Das ganze Buch ist bildgewaltig und reißt den Leser mit jeder einzelnen Zeile von Seite zu Seite mit. Izquierdos Vorstellung von der Welt der Engel wird greifbar − auch wenn man sich beim Lesen wünscht, dass all das eigentlich unvorstellbar ist.

Da ich mich selber bereits ein wenig mit den Apokryphen befasst habe, fiel es mir relativ leicht, mich in der Hierarchie der Engel zurechtzufinden. Jemand, der allerdings keinen Bezug zur christlichen Religion hat, könnte sich hier schwer tun. Wenn man also schon "Vorkenntnisse" hat, ist das Lesevergnügen umso größer, zumal Izquierdo auch zuweilen ins Philosophische abdriftet, was er allerdings sehr gut mit in die Handlung einbaut.

Wer auf einen Katastrophenthriller hofft und denkt, dass die Engel nur schmückendes Beiwerk sind, wird enttäuscht. Die Menschen spielen in diesem Werk nur eine Nebenrolle und die Schauplätze auf der Erde werden nur am Rande gestreift, was der Geschichte zwar keinen Abbruch tut, ich aber ab und zu ein wenig vermisst habe. Ich hatte den Wälzer in drei Tage durch, wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und war hinterher wirklich mehr als beeindruckt. Wirklich ein monomentales, fast episches Werk, das jeden Euro wert ist!

Über den Autor

Andreas Izquierdo, geboren 1968, zog nach dem Abitur zum Studium nach Köln und volontierte in einem Sportverlag. Er arbeitet als freier Schriftsteller und Drehbuchautor und ist Mitglied der Krimiautorenvereinigung Syndikat. Zuletzt erschien bei Rotbuch sein preisgekrönter Roman "König von Albanien" (2007).
 


Titel "Apocalypsia"

Seiten 624 Seiten

Verlag Rotbuch Verlag

Erscheinungstermin 12. August 2010

ISBN-10 3867891087

ISBN-13 978-3867891080

Preis 24,95 Euro

Weiterführende Links

 Erschienen in der Incoming Message 95/September 2010