Melanie Brosowski Autorin

Rezensionen

 

 

 

Buchkritik: Tanner geht

Titel: Tanner geht: Sterbehilfe – Ein Mann plant seinen Tod

 

 

  • von Wolfgang Prosinger
  • Erscheinungsjahr: 2008
  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Fischer, S., Verlag GmbH
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100590309
  • ISBN-13: 978-3100590305

 

Inhalt:

Krebs, Aids und nun auch noch Parkinson. Tanner hält die Schmerzen nur noch mit Medikamenten aus. Er weiß, dass er bald sterben wird und es wird vermutlich kein leichter Tod sein. Er beschließt, sein Ende selbst zu bestimmen und sucht Hilfe bei Dignetas. An einem Tag im Februar will er in die Schweiz gehen, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Wolfgang Prosinger schildert, wie Tanner die letzten Wochen und Monate verbringt. In zahlreichen Gesprächen erklärt sich Tanner und manchmal sagt sein Schweigen mehr, als hundert Worte es könnten.

 

Kritik:

Es ist ein leises Buch über ein Tabuthema, obwohl das Sterben immer zum Leben mit dazu gehört. Doch in Deutschland ist ein selbstbestimmtes Ende schwierig zu realisieren, zu sehr stehen religiöse Bestimmungen, der ärztliches Ethos, Moral und Ethikverständnis dem im Weg. Vom Hochhaus springen will Tanner nicht – seinen Freunden zuliebe. Also sucht er Hilfe bei Dignitas, dem Schweizer Verein, der sich laut eigenen Angaben für ein auch das Lebensende umfassendes Selbstbestimmungsrecht einsetzt und seinen Mitgliedern auf Anfrage Beratung, Begleitung und Beihilfe zum Suizid bzw. genauer Freitodbegleitung anbietet.

Der Autor Wolfgang Prosinger geht sehr behutsam vor. Nie wertend, nie verurteilend. Nicht jeder versteht Tanners Entscheidung. Immer wieder versucht sein ehemaliger Lebensgefährte ihn umzustimmen – und bleibt doch bis zum Ende bei ihm; gefangen in einem Zwiespalt.

Eindringlich schildert Prosinger Tanners letzte Zeit: die Organisation der Beerdigung, die letzte Feier mit Freunden, die Regelung der Finanzen, die Fahrt in die Schweiz, der letzte Spaziergang … Tanner zieht es durch, beendet sein Leben, das zum Schluss für ihn nur noch Qual war. Eine Qual, die er mit niemandem teilen wollte.

Ein Buch, das bewegt und zum Nachdenken anregt. Das man nicht einfach nebenbei lesen kann. Das einen Nachhall hinterlässt.