Melanie Brosowski Autorin

Das Alien

Ich saß grad im Sessel und schaute so fern
Ne langweilige Doku über die Schweizer Stadt Bern
Als plötzlich ein Schimmern das Zimmer erhellte
Und die sengende Hitze die Decke wellte.

Da stand doch plötzlich ein grünes Alien im Raum
Schlief ich schon und hatte nen Traum?
Nein, ich war wach und verschüttete das Bier
Und dachte – scheiße – dieser Freak ist wirklich hier.

Er schlenderte zum Kühlschrank und griff hinein
Nahm Weintrauben, Käse und den teuren Wein
Auch der Pudding schien ihm gut zu schmecken
Mit Erstaunen sah ich ihn an dem Löffel lecken

Mir blieben die Worte im Halse stecken
Ich überlegte kurz mich zu verstecken
Doch offenbar war das Alien mir freundlich gesonnen
Vielleicht hatte ich grad einen Freund gewonnen?

So ein Alien von einem fernem Stern
Das wäre schon cool, wer hätt den nicht gern?
Und so ein Trip mit nem Ufo durchs All
Ihr denkt jetzt bestimmt ich hätte nen Knall …

Ich stand jedenfalls noch immer da
Und starrte wie blöde – is doch klar
Auf das plündernde Alien da vor mir
Und wünschte mir sehnlichst ein neues Bier

Ich weiß nicht mehr wie lange ich guckte
Und vermutlich nicht mal mit der Wimper zuckte
Jedenfalls griff es dann zur Tupperdose
Und ich machte mir fast in die Hose

Der wollte doch nicht …? das konnte nicht sein!
Der packte sich tatsächlich die Reste ein!
Dann winkte er mit seiner grünen Hand
Lächelte, blinzelte – und verschwand.

Ich blieb noch eine Weile stehen
Ich gebe zu, ich konnte nicht gehen
Schließlich setzte ich mich doch
Und fiel seelisch in ein schwarzes Loch.

Dann fiel mein Blick auf die Flasche Bier
Ich betete: „Herrgott ich danke dir!
Für diese Hallu – na du weißt schon wofür!“
Das war garantiert mein letztes Bier!

Melanie Brosowski / 2011