Melanie Brosowski Autorin

"Pakt der Wölfe" meets "Der Name der Rose"

Bastian Zach & Matthias Bauer über ihr Buch "Morbus Dei: Die Ankunft"

Diesmal bei uns im Interview: das Autoren-Duo Bastian Zach und Matthias Bauer.

TrekZone Network: Mögen Sie beide sich unseren Lesern einmal kurz vorstellen?

Bastian Zach: Mein Name ist Bastian Zach, ich bin 1973 in Leoben geboren. Ich bin Grafik-Designer, seit 2007 Schnitt- und Synchronregisseur.

Matthias Bauer: Mein Name ist Matthias Bauer, ich bin 1973 in Lienz geboren. Nach meinem Studium der Geschichte/Volkskunde und diversen Tätigkeiten im Verlags- und Ausstellungsbereich bin ich seit 2007 in der Erwachsenenbildung tätig.

TZN: Worum geht es in "Morbus Dei: Die Ankunft", Ihrem Debütroman?

Zach: "Morbus Dei: Die Ankunft" spielt in einem abgelegenen tiroler Gebirgstal vor 300 Jahren. Der Deserteur Johann List wird von einem Schneesturm überrascht, es verschlägt ihn in ein einsames Dorf. Es ist ihm schnell klar, dass mit dem Dorf, das von Furcht und Aberglaube beherrscht wird, etwas nicht stimmt, dass ein düsterer Schatten über den Bewohnern liegt: Tiere werden getötet, Menschen verschwinden, vermummte Gestalten lauern in den finsteren Wäldern.

Johann verliebt sich in die Tochter eines Bauern, er beschließt, mit ihr das Dorf zu verlassen. Doch noch bevor sie verschwinden können, eskaliert die Situation und ein Kampf auf Leben und Tod beginnt ...

Bauer: Genremäßig kann man "Morbus Dei: Die Ankunft" als historischen Thriller einordnen, der zudem phantastische Elemente enthält. Man könnte das Buch auch als "Pakt der Wölfe" meets "Der Name der Rose" bezeichnen.
 

TZN: Der Roman spielt in Tirol. Die meisten Autoren verlegen ihre Geschichten in die USA. Warum Sie nicht? Haben Sie einen besonderen Bezug zu Tirol?

Zach: Die Geschichte hat, gerade wenn man die Ausgangssituation betrachtet, einiges von einem klassischen Western: Ein Fremder kommt in ein Dorf und wird mit einer Gefahr beziehungsweise einem Geheimnis konfrontiert. Aber nicht nur die Amerikaner haben die Landschaft für eine solche Geschichte − uns erschien es im Gegenteil reizvoll, mit einem düsteren, isolierten Alpental die Story in einer Gegend anzusiedeln, die bisher noch nicht so oft genutzt wurde, aber ebenso visuell beeindruckende Schauwerte bietet.

Bauer: Und diese Schauwerte sind nicht nur für eine europäische Leserschaft interessant, sondern auch für ein internationales Publikum. Abgesehen davon war die Geschichte von der ersten Idee an in Tirol angesiedelt. Wir brauchten einen isolierten, visuell und atmosphärisch ansprechenden Hintergrund, über den wir vergleichsweise gut recherchieren und in den wir uns sehr gut einfühlen konnten. Für uns als Österreicher − und mich als Tiroler − war Tirol deshalb ein logischer Schritt.

TZN: Sie haben bereits gemeinsam die preisgekrönten Kurzfilme "ausWEG" (2001) und "[infinite]" (2003) sowie den Spielfilm "3 Zimmer. Küche. Tod." (2006) produziert. Wie kam es zu der Idee eines gemeinsamen Buches?

Bauer: Die Idee zu "Morbus Dei" haben wir während der Produktion von "[infinite]" entwickelt. Unser Ziel war damals, nach "ausWEG" und "[infinite]" Spielfilme zu schreiben und zu drehen. Der historische Mystery-Thriller "Morbus Sanguinis" (Arbeitstitel) sollte der erste Kinofilm werden. Wir haben den Storyentwurf von "Morbus Sanguinis" mehrmals überarbeitet, bis ein Treatment − der neue Titel war "Morbus Dei" − erstellt war, mit dem wir Produktionsfirmen das Filmprojekt vorstellten. Die österreichische Wega Film signalisierte Interesse, ebenso die Tiroler Filmförderung Cine Tirol, da das Projekt in einem Tiroler Bergdorf spielte. Letztendlich wurde das Projekt, nachdem wir ein Drehbuch geschrieben hatten, aber leider abgelehnt, "Morbus Dei" schien gescheitert. Vorerst...

Zach: Nach der Ablehnung haben wir an anderen Projekten gearbeitet, aber die Idee zu "Morbus Dei" war einfach zu verheißungsvoll, um in der Schublade vergessen zu werden. 2008 sprachen wir verschiedene Verlage an, ob Interesse bestünde, "Morbus Dei" als Roman zu veröffentlichen. Das Interesse war eindeutig, in der Folge haben wir das Drehbuch von "Morbus Dei" zu einem Roman umgearbeitet. Der renommierte österreichische Haymon-Verlag sagte schließlich zu, das Buch als Taschenbuch zu veröffentlichen − und so kam, acht Jahre nach der ersten Idee, "Morbus Dei: Die Ankunft" im August 2010 in die Buchläden.

TZN: Wie muss man sich als Laie das Schreiben eines Buches vorstellen, wenn zwei Autoren daran beteiligt sind?

Bauer: Gar nicht so kompliziert. Wir erarbeiten zunächst eine grundsätzliche Story, dann teilen wir uns das Buch auf. Jeder schreibt seine Abschnitte, dann schicken wir uns die Teile gegen, überarbeiten und kommentieren das, schicken das wieder dem anderen, der schaut sich das wieder an, und so geht das dahin, so lange, bis die Geschichte zu Ende und wir beide zufrieden sind.

Zach: Zum Schluss gehen wir noch einmal über das gesamte Manuskript und gleichen eventuelle Stilunterschiede ab, und dann ist das Buch fertig − zumindest für den nächsten, sehr wichtigen Schritt: das Verlagslektorat. Dieses Lektorat bietet den wichtigen Blick von außen, denn als Autor ist man ab einem gewissen Zeitpunkt so tief in der Geschichte drin, dass man keine etwaigen Schwächen mehr sieht. Ein gutes, strenges Lektorat ist von unschätzbarem Wert.

TZN: Gab es Momente, in denen die Zusammenarbeit schwierig war? Mussten Sie beide viele Kompromisse eingehen?

Zach: Eigentlich nicht. Wir arbeiten schon sehr lange zusammen und haben mittlerweile eine sehr unkomplizierte Zusammenarbeit entwickelt. Man sagt offen, aber immer gut begründet, was einem an der − inhaltlichen/stilistischen − Schreibe des anderen zusagt oder eben nicht, das wird diskutiert, am Ende zählt das bessere Argument.
 

Bauer: Künstlerallüren nach der Marke "Ich hab das geschrieben, da wird kein Buchstabe verändert" gibt es bei uns nicht, wir wollen beide das bestmögliche Ergebnis. Das Positive an dieser Zusammenarbeit ist auch, dass jeder von uns sofort ein ehrliches, sehr nützliches Feedback bekommt, quasi ein Vorlektorat.

TZN: Haben Sie literarische Vorbilder?

Zach: Vorbilder nicht, aber wir können zumindest einige unsere Lieblingsautoren aufzählen: Cormac McCarthys "The Road" hat mich sehr bewegt, auch "Der Rumpf" von Akif Pirinçci lese ich immer wieder gerne, ansonsten Clive Barker, H.P. Lovecraft und was mir sonst noch zwischen die Hände kommt.

Bauer: J.D. Salingers "The Catcher in the Rye" ist einer meiner all time favourites, und dann geht es bunt gemischt weiter, von Poe über Kafka zu H.P. Lovecraft, von Charles Bukowski über Bret Easton Ellis zu Stephen King.

TZN: Warum ein lateinischer und kein deutscher Titel? Und was bedeutet er?

Zach: Abgesehen davon, dass es, so hoffen wir zumindest, schön mysteriös und interessant klingt, bezeichnet der Titel ganz einfach, was das Herz der Geschichte ist. Mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten.

Bauer: Die Übersetzung von "Morbus Dei" ist "Die Krankheit Gottes". Der Zusatztitel "Die Ankunft" passt, weil er bereits darauf hindeutet, dass das Buch nur der erste Teil ist. "Morbus Dei" soll eine Trilogie werden.

TZN: War es leicht, einen Verlag zu finden?

Bauer: Wir haben den Storyverlauf und eine Leseprobe an einige Verlage geschickt, ein größerer deutscher Verlag, dem die Geschichte gefiel, sagte sofort zu, das fertige Manuskript zu veröffentlichen. Nach einem Jahr, als das Manuskript fertig war, hat sich dieser Verlag nach einem Personalwechsel aber auf einmal gegen eine Veröffentlichung entschieden − Meinungsänderungen dieser Art passieren in der Branche ja nicht selten.

Zach: Wir haben das Manuskript dann anderen Verlagen angeboten, schließlich hat der Haymon-Verlag zugegriffen. Rückblickend hätte uns nichts Besseres passieren können. Haymon ist zwar ein kleinerer Verlag, achtet dafür aber umso mehr auf die Qualität seiner Veröffentlichungen und die Betreuung seiner Autoren. Man merkt einfach an allem, dass man nicht nur eine Veröffentlichung unter vielen ist, sondern dass dem Verlag etwas an dem selbst Buch liegt.

TZN: Wie waren die Reaktionen Ihres Umfeldes auf das Buchprojekt? Gab es jemanden, welcher der Meinung war, Sie sollten besser bei Kurzfilmen bleiben?

Zach: Nein, im Gegenteil: Es gab nur Ermutigungen, alle haben die Daumen gedrückt, dass es mit dem Buch was wird.

Bauer: Viele kannten die Story von "Morbus Dei" ja schon, als es als Filmprojekt geplant war, und die haben sich gefreut, dass die Geschichte jetzt endlich das Licht der Welt erblickt.

TZN: Hätten Sie Lust, Ihr eigenes Buch zu verfilmen?

Zach: Lust immer − aber um "Morbus Dei" gerecht zu werden, braucht man ein hohes Budget. Ein Historienfilm, der im Winter spielt, ist sehr teuer, ohne entsprechende Produktionsbedingungen macht es keinen Sinn. Das würde wohl eine internationale Koproduktion werden müssen, und so etwas dauert.

Bauer: Genau. Wenn die richtigen Bedingungen da sind... Wir stehen bereit. Aber im Moment passt uns das Schreiben sehr gut. Wir schreiben auch Drehbücher, eines davon − der schweizerisch-österreichische Horrorthriller "One Way Trip 3D" − wird gerade verfilmt.
 

TZN: Das Cover ist ziemlich düster. Wer von Ihnen zeichnet sich dafür verantwortlich und warum ausgerechnet solch ein düsteres, ja fast möchte ich sagen gruseliges Bild?

Zach: "Morbus Dei" ist ein sehr visuelles Buch, da lag die Idee nahe, dass das Cover den Charakter eines Filmplakates haben sollte. Wir haben uns beraten, und da ich gelernter Grafiker bin, habe ich dann mehrere Entwürfe entwickelt. Für einen hat sich der Verlag entschieden und diesen dann ausgearbeitet.

Bauer: Das düstere Cover entspricht der Geschichte. Spielberg hat mal auf den Vorwurf, dass "Indiana Jones und der Tempel des Todes" zu düster sei, geantwortet, dass der Film ja auch "Tempel des Todes" und nicht "Tempel der Rosen" heißt. Aber wir hoffen natürlich, dass unser Cover nicht nur düster, sondern eben auch ein Hingucker ist und Interessenten in der Buchhandlung und im Internet anspricht.

TZN: In Zeiten von E-Books und Co., was glauben Sie, wie die Zukunft des Buches aussehen wird?

Zach: Schwer zu sagen. Das Buch wurde schon sehr oft abgeschrieben, ist aber immer noch da. Ich denke, es wird immer neue Formen wie E-Books und so weiter geben, aber eben auch das Buch in seiner jetzigen − und für mich immer noch − einzig wahren Form.

Bauer: Ich bin der gleichen Meinung. Es geht einfach nichts darüber, ein Buch in Händen zu halten und gemütlich zu lesen, das ist kein Vergleich mit dem Bildschirm. Aber ich schließe nichts aus.

TZN: Einige abschließende Worte?

Zach: Wir sind sehr glücklich mit den Reaktionen der Leser auf "Morbus Dei: Die Ankunft", gerade bei Amazon sind die Leser regelrecht euphorisch. Nach der offiziellen "Morbus Dei"- Buchpräsentation Ende Oktober wird es im März 2011 in Innsbruck zwei Lesungen geben, auf Facebook − Morbus Dei gibt es jeweils die aktuellen Infos.

Bauer: Im Moment arbeiten wir an mehreren Projekten, darunter an der Fortsetzung zu "Morbus Dei". Der Titel ist "Morbus Dei: Inferno" und wird im Frühjahr 2012 bei Haymon erscheinen. Wir können versprechen, dass "Morbus Dei: Inferno" bigger, better and louder wird und würden uns freuen, wenn die Leser weiter den Weg mit uns und unseren Figuren gehen...
 

Weiterführende Links

 Incoming Message Ausgabe 98 (#151) Dezember 2010