Melanie Brosowski Autorin

Die Stars hinter den Stars

Die Trek-Synchronsprecher

Wissen Sie, was Angelina Jolie und Fähnrich Ahni Jetal gemeinsam haben? Nein? Sie haben beide dieselbe deutsche Synchronsprecherin, nämlich Claudia Urbschat-Mingues. Doch zu ihr später mehr.

Synchronsprecher sind zumeist Schauspieler oder freiberufliche Sprecher, die fremdsprachige Filme, Werbesports oder zum Beispiel animierte Streifen synchronisieren und seit Neuestem gelegentlich auch Hörbüchern ihre Stimme leihen. Diese Menschen sind häufig weniger bekannt als die Stars vor der Kamera, aber meist sind genau sie es, die einen Lieblingscharakter so unverwechselbar und liebenswert machen.

Doch auch "einheimische" Produktionen werden teilweise nachsynchronisiert, nämlich dann, wenn der Originalton bei einem Dreh durch zu viele Nebengeräusche "verunreinigt" ist oder die Originalstimmen einfach nicht "passen". Berühmtestes Beispiel: Uschi Glas, die in "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" eine Indianerin spielte − dies jedoch mit einem bayrischen Akzent. Ihr Text wurde später von Marion Hartmann synchronisiert.

Unfreiwillig komisch werden Synchronisationen dann, wenn sich Übersetzungsfehler einschleichen. Meist sind dies die so genannten "falschen Freunde", wie "Silikon" statt korrekt "Silizium" für das englische silicon. Hier ein bekannter Fehler aus "Star Trek":
 

"Was ist das für ein Mist, den ich da sehe?" Diese Frage stellt Dr. Crusher dem Computer, als sie in der Folge "Das Experiment" eine Art Nebel auf dem Bildschirm sieht. Im Original fragt sie "What's that mist I'm seeing there?", also wörtlich "Was ist dieser Nebel, den ich dort sehe?".

In den Anfängen der Fernsehgeschichte war eine nachträgliche Synchronisation von fremdsprachlichen Streifen aus technischen Gründen noch nicht möglich. Man behalf sich damit, Abschnitte oder sogar den ganzen Film zusätzlich in der jeweiligen Sprache des Ausstrahlungslandes ein weiteres Mal zu drehen. Manchmal wurden Filme bereits während der Produktion mit verschiedenen Darstellern gedreht, die die Szenen in einem Setting nacheinander spielten (beispielsweise "F.P.1 antwortet nicht").

Doch zurück zu Claudia Urbschat-Mingues. In "Star Trek" sprach sie unter anderem Rain Robinson (gespielt von Sarah Silverman bei "Voyager" in "Vor dem Ende der Zukunft"), Lillias (gespielt von Lisa Kaminir in "Die Asteroiden") und Kellin (gespielt von Virgina Madsen in "Unvergessen"). Außerdem ist sie die deutsche "Standardstimme" von Angelina Jolie. 2003 durfte sie, wenn auch nur wenig, ihre Stimmbänder für Kristanna Loken als T-X in "Terminator 3 − Rebellion der Maschinen" in Schwingung bringen.

Netterweise stand dem TZN Claudia Urbschat-Mingues für ein paar Fragen zur Verfügung.

TZN: Wie sind Sie zur Synchronsprecherei gekommen?

Claudia Urbschat-Mingues: Als Kind hatte ich diese kaputte Stimme, so dass mir niemand Gesangsunterricht geben wollte und ich auch nicht an der Schauspielschule angenommen wurde. Ein Freund brachte mich zu einer Logopädin. Das wiederum ermöglichte mir die Schauspielausbildung, ich spielte Theater und begann nebenbei Synchron zu sprechen. Irgendwann habe ich mich dann entschieden, hauptsächlich mein Geld mit Sprechen zu verdienen.
 

TZN: Welche Ausbildung oder Voraussetzung benötigt man im Allgemeinen dafür?

Urbschat-Mingues: Schauspielunterricht ist sinnvoll und natürlich eine gewisse Sprechtechnik mit Hochdeutsch gepaart.

TZN: Wie kann man sich den "Tag" einer Synchronsprecherin vorstellen?

Urbschat-Mingues: Um sechs Uhr aufstehen, dann erst mal Stimmübungen am offenen Fenster, mit Salbeitee gurgeln... Nein, das stimmt nicht. In der Regel beginnt die Studiozeit um neun Uhr und es gibt Zeiten, in denen man bis null Uhr in verschiedenen Synchron-Ateliers verbringt. Die Termine der verschiedenen Projekte werden meist sehr kurzfristig (oft erst ein Tag vorher) geplant und mir durchgegeben, was einen geregelten Tagesablauf nahezu unmöglich macht. Trotzdem gibt es aber auch Zeiten, in denen man weniger arbeitet, und dann kann es auch sein, dass ein paar Tage gar nichts passiert.

TZN: Haben Sie ein "Mitspracherecht" bei der Interpretation beziehungsweise Betonung des Textes?

Urbschat-Mingues: Das nehme ich mir immer raus − obwohl manche Synchronregisseure das nicht so gern haben, wenn man sich in ihre Regie einmischt. Schlussendlich ist Synchron aber immer Teamarbeit und da dürfen auch die Schauspieler, Cutter und Tonmeister mitreden, wenn ihnen etwas auffällt.

TZN: Gibt es einen Unterschied, ob Sie einem "Star Trek"-Charakter oder einem anderen Charakter Ihre Stimme leihen?

Urbschat-Mingues: Für mich machen die zu synchronisierenden Schauspielerinnen einen enormen Unterschied, selten ist da der Film oder die Serie, in der sie auftreten, ausschlaggebend.

TZN: Werden Sie oft auf Ihre Stimme angesprochen?

Urbschat-Mingues: Nicht so oft, ich spreche im normalen Leben ja auch selten solche Dinge wie im Kino. Ich könnte es allerdings mal beim Bäcker versuchen, so à la: "Lassen Sie die Waffel fallen!"

TZN: Wen würden Sie gerne einmal synchronisieren?

Urbschat-Mingues:Jetzt ehrlich oder aus Spaß? Cate Blanchet hätte ich gern mal synchronisiert. Ansonsten habe ich gerne das Nilpferd Gloria in dem Animationsfilm "Madagascar" gesprochen, diverse lustige Mangas stimmlich beseelt, viele, viele sehr gute Schaupielerinnen in Serien, Spiel- und Kinofilmen meine Stimme geliehen und habe nur den Wunsch, dass es weiterhin schön und spannend bleibt.

Incoming Message Ausgabe 97 (#150) November 2010