Melanie Brosowski Autorin

"Ein voller Bücherschrank sieht 'gebildeter' aus als ein voller MP3-Player ..."

Carola Kickers über den Vampirhype, ihre "Jason"-Reihe und mehr.

Wieder einmal hatte das TZN Gelegenheit, eine Autorin zu interviewen. Diesmal: Carola Kickers.

TrekZone Network: Wer ist Carola Kickers?

Carola Kickers: Die Frage müsste eher lauten "Was?": kreativ-chaotisch, spontan, voller Ideen und ein Workaholic. Väterlicherseits künstlerisch vorbelastet, was Musik und Schriftstellerei angeht. Ansonsten ein ganz normaler Mensch mit Ecken und Kanten, Höhen und Tiefen.

TZN: Warum schreibst du auch unter einem Pseudonym?

Kickers: Ja, seit 2010 schreibe ich unter "Carol Grayson", vor allem in der Phantastik. Kurzgeschichten und andere Genres werden aber weiterhin unter meinem Geburtsnamen veröffentlicht, so kann ich bei aller Vielseitigkeit auch eine gewisse Trennung vornehmen.

TZN: Du schreibst Mystery und Dark Fantasy, aber auch Kindergeschichten und Krimis. Woher kommt das?

Kickers: Ich denke, das kommt auf den "Geistesblitz" an, ebenso wie auf die Stimmungslage. Ich entwickle Ideen meist spontan, zunächst anhand von Notizen, die ich später nach und nach aufgreife und ausbaue. Da finden sich Kindergeschichten ebenso darunter wie "romantische" Alträume.

Sobald ich Muße habe, gehe ich die Ideen durch, und etwas, das vielleicht schon wochen- oder monatelang schlummerte, wird zum Leben erweckt. Es ist auch schon vorgekommen, dass aus einer ganz harmlosen Erzählung plötzlich ein Krimi wurde. Vieles formt sich erst beim Schreiben. Mit kompletten Plots arbeite ich selten. Sie dienen nur als Grundgerüst. Meistens kommt es aber anders, als man denkt.

TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Kickers: Geschrieben habe ich immer schon gerne − bereits in der Schule waren mir Aufsätze die liebsten Hausaufgaben. Es folgten Gedichte, Kurzgeschichten, dann 1996 das erste Kinderbuch. Zwischendurch hatten die Musikbranche und der eigene Verlag mich sehr vereinnahmt. Aber auch da kam ich zum Schreiben, seien es Songtexte oder Künstlerbiografien.

TZN: Magst du unseren Lesern etwas über dein neuestes Projekt erzählen?

Kickers: Zu meinen neuen Projekten gehört unter anderem eine Novellentrilogie auf historischer Grundlage, die auch im Noel Verlag erscheint. Der erste Band ist bereits im September angekündigt. Dann möchte ich gerne die Zusammenarbeit mit GlobalTalk ausbauen, vor allem in Hinblick auf das Magazin, und natürlich weiterhin junge Talente fördern. 2011 steht dann der fünfte und sechste "Jason"-Band an, der wiederum einen Sammelband ergeben wird − "LUX AETERNA III".

TZN: Der Dialog/Kontakt mit den Lesern über GT oder auf Lesungen − wie wichtig ist der für einen Autor?

Kickers: Ich freue mich immer sehr, meinen Lesern persönlich Fragen beantworten zu dürfen und ein gewisses Feedback zu erhalten. So etwas kann sogar inspirierend für neue Geschichten sein! GT bietet dafür eine hervorragende Plattform und ich bin froh, dass ich dort sogar eine eigene Kolumne erhalten habe.

TZN: "Jason Dawn" ist mehr als eine Reihe − es gibt dazu ein Parfüm, einen Song. Wie erklärst du dir den Erfolg deiner Reihe und insbesondere des Genres "Vampire"?

Kickers: In den Vampir-Hype an sich bin ich eher durch Zufall hineingerutscht. Alles begann 2007 mit einer Kurzgeschichte: ein Mysterykrimi, in dem zunächst ein ganz "normaler" Vampir auftauchte. Da ich gerne die Enden meiner Geschichten offen lasse, führte dies zu einer Fortsetzung, ein drittes Kapitel folgte, in dem plötzlich Jason "auftauchte". Mit der Zeit entwickelte sich dann eine ganze Welt mit unterschiedlichen Vampirrassen, Fähigkeiten und natürlich auch Marketingmöglichkeiten.

Warum die Menschen derzeit gerade den Vampiren verfallen sind, vermag ich nicht zu sagen. Aber ich denke, dass in wirtschaftlich schlechten Zeiten alles Mystische eine besondere Anziehungskraft besitzt. Dann flieht man gerne zur Entspannung in andere Welten. Der Trend wird sich bestimmt in den nächsten Jahren wieder wandeln, wobei Vampire natürlich immer ein fester Bestandteil der Mystik bleiben und auch immer ihre Fans behalten werden.

TZN: Du hast lange Zeit für ein Musiklabel gearbeitet, dich dann aber der Literatur zugewandt. Weshalb?

Kickers: Zu einer Zeit, in der die Musikbranche in der Krise war, galt es, neue kreative Möglichkeiten zu ergreifen. Ich besann mich auf meine ursprüngliche Freude am Schreiben und verfeinerte diese nach und nach. Zunächst plante und schrieb ich allerdings eher für Hörbuchproduktionen, das war ein naheliegender "Sprung", erst mit der Zeit entwickelten sich die Buchprojekte daraus.

TZN: Hörbücher, E-Books... Wie, deiner Meinung nach, haben diese neuen Medien das Leseverhalten beeinflusst?

Kickers: Die junge Generation wird vielleicht eher durch die Medien selbst auf schnellen Konsum geprägt. Stichwort "Entertainment". Außerdem möchte man ja schließlich mitreden können. Ich persönlich sehe Hörbücher und E-Books als eine zusätzliche Verwertungsmöglichkeit an, die dem Autor auch bei seiner Vermarktung hilft, es findet ja stets eine Duplizierung statt.

TZN: Glaubst du, dass das normale Buch noch eine Zukunft hat?

Kickers: Mit Sicherheit. Ein voller Bücherschrank sieht doch immer noch "gebildeter" aus als ein voller MP3-Player − aber Spaß beiseite. Das normale Buch wird niemals sterben. Es ist etwas, das man aus der Kultur der Menschheitsgeschichte auch gar nicht mehr wegdenken kann. Außerdem hat man schneller ein paar Seiten umgeblättert als den PC hochgefahren, um eine Stelle in einem E-Book zu suchen. Ich sehe Bücher als Bereicherung an, nicht nur in puncto Wissensschatz.

TZN: An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Kickers: Gerade stelle ich den zweiten Band der Trilogie "Im Bann der Lilie" fertig, danach geht es mit Band 6 der Jason-Reihe weiter. Außerdem steht eine Überarbeitung meiner Homepage an.

TZN: Einige abschließende Worte?

Kickers: Am 10.10. sind wir live auf der Frankfurter Buchmesse am Stand der Chichili Agency, Halle 4.0, Stand A1313. Ich würde mich sehr über euren Besuch freuen. Ansonsten ist eine Lesung am 18.11. in Düsseldorf im Szeneladen UNLICHT geplant und am 7.12. im Café Konkurs in Krefeld-Linn.

TZN: Vielen Dank für das Interview!

Kickers: Ich danke euch und allen Lesern ebenfalls.

 

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