Melanie Brosowski Autorin

Eine alte SF-Serie wird fortgesetzt

Verdammt schwierig, die Ausgangslage: Die erste menschliche Expedition kommt von Alpha Centauri zurück. Um die Erde vor einem Alienvolk zu warnen. Und dann sieht die geschockte Mannschaft: Terra ist zerstört. Der tapfere Commander bricht zusammen, weint auf der Brücke.

So abrupt endete 1968 die Heftserie "Ad Astra − Chet Morrows Weg zu den Sternen" mit Band 21. Und wie kommen heute SF-Fans dazu, diese "ollen Kamellen" aufzunehmen, um neue Abenteuer zu spinnen?

Nun, sie reizt die Besonderheit, dass es hier keinen unfehlbaren Helden gibt. Und keine Mutanten, keine gigantischen Flotten. Es ist alles kleiner, überschaubarer. Dafür nicht weniger abenteuerlich.

H. G. Francis hatte zuvor die "Rex Corda"-Romane zusammen mit einem Team verfasst, ungenügende Verkaufszahlen führten zum Ende mit Band 38. Somit hatte das Team Zeit für andere Aufgaben. Und die nutzten Francis, Thomas R. P. Mielke und Arno Zoller. Francis skizzierte sofort seine neue Serie. Start war "Utopia"-Band 550 "Sabotage um Dyna-Carrier". Von Francis stammten alle Exposés sowie jeder zweite Band. Der Charme: Der Held ist anfangs "nur" Unterleutnant, Besatzungsmitglied eines Dynas − damit nahm Francis die Shuttles vorweg.

Zudem spielen die Romane anfangs auf der Erde oder erdnah. Ein bisschen wie "Horatio Hornblower" wirkt Chet Morrow. Er ist keineswegs ein Überflieger. Im Umgang mit Frauen beneidet er seinen besten Freund Tom Atkins um dessen Selbstsicherheit. Doch wenn es um gefährliche Situationen geht, bleibt Chet kühl. Es ist eine Zeit der Machtkämpfe und Aufstände, menschliche Piraten und Aliens mischen mit, die unerkannt unter den Menschen leben. Chet begegnet Sodoranern, menschenähnlichen Aliens mit einem verdeckten zweiten Augenpaar. So können sie anderen ihren Willen aufzwingen. Dabei gerät die ganze Erde in Gefahr.

Die Menschheit will darauf nun selbst den Raum erforschen, Chet Morrow wird Kommandant des ersten Raumschiffes, das ein anderes System erreichen soll. Auf der Reise Richtung Alpha Centauri sorgt ein "blinder Passagier", ein Halbsodoraner, fast für eine Katastrophe. Er zwingt der Besatzung seinen Willen auf, lässt den Antrieb immer stärker belasten. Plötzlich fliegt die Horizont schneller als Licht.

 
 

Im System Alpha Centauri kommt die Besatzung einem Volk auf die Spur, welches Experimente mit ganzen Planeten ausführt.


Im System Alpha Centauri kommt die Besatzung einem Volk auf die Spur, welches Experimente mit ganzen Planeten ausführt. Die Bevölkerung wird künstlich extremen Umweltbedingungen ausgesetzt. Zudem stoßen Chet und Co. hier auf Nachfahren von Römern. Und auf die Verursacher der Experimente: Die "Großen", die sich brutal gegen jeden Versuch wehren, hinter ihre Geheimnisse zu kommen, dabei vor Atombomben nicht zurückschrecken. Chet befiehlt den Rückflug, um die Erde zu warnen ...

H. G. Francis leistete sich dieses Ende, weil die gesamte "Utopia"-Reihe eingestellt wurde. Verleger Heinz Mohlberg gefiel die Geschichte aber so gut, dass er sich 2007 zum Nachdruck entschloss. Jeweils zwei Hefte wurden zu einem Buch. Die Serie war vielen SF-Fans praktisch unbekannt, der Nachdruck verkaufte sich erfolgreich. Zugleich entstand die Idee einer Fortsetzung. Bearbeiter Udo Mörsch, Verleger Heinz Mohlberg und meine Wenigkeit spannen den Faden weiter, Udo Mörsch schrieb den zweiten Teil zu AA 11, dem Abschluss der Heftserie. Er musste dann berufsbedingt kürzertreten. So wurde ich als Jungautor ins kalte Wasser geworfen für Ad Astra 12 und 13.

"Schatten über dem Mars" und "Die Kometen-Falle" erschienen 2011. Chet und Tom lassen die Horizont zurück, reisen zum Mars. Hier gleicht die Lage einem Hexenkessel angesichts der Flüchtlinge und der Versorgungsengpässe. Zugleich heizt eine Mafia-Bande das Chaos an. Rauschgift kursiert, es gibt brutale Morde. Anführer der Verbrecher ist der "Rote Milan", der getarnt als Biedermann die Fäden zieht.

Neue Gefahren, aber auch neue Verbündete somit für Chet und Co.: Chet und Tom bekommen Unterstützung von neun Dyna-Pilotinnen, den "Amazonen". Sie bringen Chet mit UN-General Anatoli "Onkel Tolja" Anduri zusammen, der sich für eine Schlacht gegen eine Basis des Milan rüstet. Mit Anduri ziehen Chet und Tom sowie die Amazonen in den Kampf auf dem Mond Enceladus. Bei der Rückkehr können sie in letzter Minute die Kaperung der Horizont verhindern.

Kurz darauf tauchen weitere Aliens auf. Die Makis, wie sie wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Lemuren genannt werden, bieten Hilfe an. Allerdings fordern sie Gegenleistungen, etwa Söldner. Weil sich Chet und sein Team mit den Makis befassen, haben sie keine Zeit, ein gewagtes Experiment zu überwachen. Ein kleiner Komet soll kontrolliert auf dem Mars zum Absturz gebracht werden, um die Wasserversorgung zu verbessern. Dabei gerät das Team um drei Amazonen in eine Falle des Milan. Wieder geht es für Chet und Co. um jede Sekunde.

Ad Astra bietet noch reichlich Stoff. Geplant sind jeweils drei Bücher im Jahr. Eine Herkules-Aufgabe, die ein nebenberuflicher Schreiber nicht alleine stemmen kann. Daher kontaktierte Heinz Mohlberg weitere Autoren, genauer: Autorinnen.

 

So geht es 2012 weiter

"Ad Astra 14: Söldner der Galaxis", erschien im Januar: Die Horizont bricht erneut Richtung Alpha Centauri auf. Ihre Mission: Anwerben von Römern als Söldner. Sie sollen auf dem Planeten Eden ausgebildet werden. Dort leiden menschliche Siedler plötzlich unter Strahlen, die sie immer wieder zu hilflosen Kindern werden lassen. Die Strahlen sind ein weiteres Experiment der "Großen". Bei den Römern auf Honkie Alpha Drei wirken die Strahlen anders, geben den Anstoß, Neues zu wagen. Ein Gladiator bricht zusammen mit anderen Leidensgenossen aus. Auf ihrer Flucht stoßen sie auf einen Terraner von Eden, der beim Versuch, die Strahlenquelle zu zerstören, abstürzte.

Chet und Co. machen sich mit einem Dyna auf, ihren Mann zu retten. Sie schaffen es, sich zuletzt auch die Dienste der Gladiatoren zu sichern. Und einer der Römer holt die Familien der Kämpfer, wirbt zugleich Bauern an, die auf dem Mars dringend gebraucht werden.

"Ad Astra 15: Gestrandet in der weißen Hölle" von Melanie Brosowski erscheint Mitte des Jahres: Zwischen Eden und Mars haben die Makis eine Transmitter-Strecke aufgebaut. Jetzt laden sie Chet und einige Mitstreiter ein, sich die Maki-Heimat anzusehen. Auf einer Zwischenstation, einem Eisplaneten, strandet die Gruppe. Vor dem Erfrieren rettet sie ein Mann, ein Sohn eines Sodoraners und einer Terranerin. Der junge Mann musste miterleben, wie seine Familie von Menschen ermordet wurde. Dennoch hilft er Chets Gruppe. Dieser revanchiert sich nach der Rettung, lässt den Sodoraner entkommen. Kurz darauf kreuzen sich ihre Wege erneut: Der Sodoraner rettet auf der Erde Frank Morrow, Chets jüngeren Bruder. Chet wird mit weiteren Überlebenden konfrontiert, die sich auf der Erde versteckt halten. Sodoraner, ihre menschlichen Partner sowie ihre Kinder. Sie stehen vor dem Hungertod. In ihrer Verzweiflung offenbaren sie sich Chet. Der eine schwere Entscheidung treffen muss ...

"Ad Astra 16: Jagt den Milan!", aus meiner Feder, soll Ende 2012 erscheinen. Er setzt direkt an AA15 an, erzählt zudem den Kampf gegen Plünderer auf der Erde. Unterstützt werden diese Gangster von zwei ehemaligen Amazonen. Doch welches Spiel treiben die beiden? Zugleich setzt der offiziell für tot erklärte Milan seine Versuche fort, den Aufbau zu sabotieren. Er heizt die Auseinandersetzungen der Wasserkönige um neue Anbauflächen auf dem Mars an. Dann bekommt Geheimdienstchef General Weißkamm einen Hinweis auf ein Versteck des Milan. Eine Aufgabe für "Onkel Tolja" und seine Rauminfanteristen, unterstützt von römischen Söldnern. Ihr gemeinsamer Auftrag: "Jagt den Milan!"

Weiterführende Links

  • Mohlberg Verlag
    Die ganze Welt des Abenteuers.