Melanie Brosowski Autorin

Ein genussreiches Abenteuer in einer fernen Welt

Wieder einmal hatte das TZN Gelegenheit, einen Autoren zu interviewen. Diesmal: Jürgen Kummer.

TrekZone Network: Wer ist Jürgen Kummer?

Jürgen Kummer: Jürgen Kummer ist ein mittlerweile etwas in die Jahre gekommener Kerl, der mit der "Raumpatrouille" groß geworden ist und noch immer gern gute SF liest, aber trotzdem kein Maniak ist. Wir leben auf diesem winzigen Planeten in einem sehr kleinen Zeitfenster, und der Gedanke, dass es noch Millionen belebter Welten und Millionen Jahre Erdgeschichte gibt, die ich nie sehen werde, lässt mir keine Ruhe. Mein Traum wäre es, die Entdeckung eines Beweises für die Existenz einer außerirdischen Zivilisation noch zu erleben.

TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Kummer: Ich habe schon immer geschrieben, aber vor diesem Buch noch nie etwas vollendet. Eigentlich wollte ich ja Filme drehen. Aber das ist teuer und kompliziert. Zum Schreiben braucht man nur einen Computer und ein wenig Sprachgefühl. Eine recht preiswerte Art, seine Fantasien auszuleben, obwohl ich Menschen wie Spielberg oder Cameron wirklich beneide. Vielleicht will ja mal einer der beiden die Geschichte der Wonnewusel verfilmen.

TZN: Warum hast du trotz der Liebe zum Schreiben dem Germanistikstudium und später dem Verlagswesen den Rücken gekehrt?

Kummer: Das Germanistikstudium hat mich vorwiegend frustriert. Im Buchhandel und im Verlag hat es mir eigentlich gut gefallen, ich hatte nur keine Geduld und dachte, ich muss woanders "Karriere" machen, was mir dann doch nicht so recht gelingen wollte. Ich bereue es bis heute, damals die Buchbranche verlassen zu haben, umso mehr Spaß macht es mir, nun mit dem eigenen Verlag am Start zu sein.

TZN: Wer, oder besser was, ist Wonnefried? Und wie bist du auf den Namen gekommen?

Kummer: Wonnefried entstand in den früher 70er-Jahren. Er hatte einfach eine riesige Nase und einen sackartigen Körper und war der Hauptdarsteller meiner ersten, nur wenige Sekunden dauernden Zeichen- und Puppentrickfilme. Schon damals hieß die Figur Wonnefried, keine Ahnung warum, ich fand den Namen lustig und habe erst Jahrzehnte später erfahren, dass es ihn als Frauennamen tatsächlich gibt. In meinem Kopf war Wonnefried aber immer ein Männchen und dabei ist es auch geblieben. Die Figur hat sich über die Jahre fortentwickelt. Erst 2005, als ich begann, das Buch zu schreiben, wurde Wonnefried als Novize in einer Cateringkarawane und als Zeitreisender zu einer echten eigenen Persönlichkeit.

TZN: Magst du unseren Lesern erzählen, worum es in "Die Wonne, die du liebst …" geht?

Kummer: Ich versuche, mich kurz zu fassen. Die Grundüberlegung war, ob Gewalt eine Bedingung für die Entstehung von Zivilisationen ist. Ob es eine Gesellschaft ohne Neid, Hass, Konkurrenzkampf und Eifersucht überhaupt geben kann und wenn ja, ob das Leben da nicht schrecklich langweilig ist.

Die Wonnewusel leben ein gewaltfreies und nahezu paradiesisches Leben, sind aber sehr wissensdurstig. Als es dem Forscher Krai Oftschoi gelingt, in die Vergangenheit zu reisen, landet er in der technischen Zivilisation seiner Ahnen, kurz vor dem Ausbruch des "Großen Krieges", einer nuklearen Apokalypse, die die Wonnewusel nur noch aus alten Legenden kennen. Dann beginnt ein wirklich wildes Abenteuer, in dem auch noch die Voyager-II-Sonde eine wichtige Rolle spielt.

Die Wonnewusel haben jedenfalls plötzlich alle Hände voll zu tun, die Dämonen ihrer Vergangenheit wieder loszuwerden. Mehr sei hier nicht verraten.

TZN: Mit diesem Buch setzt du dich bewusst zwischen sämtliche Genre-Stühle. Warum? Und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Kummer: Das ist wirklich schwierig. "Die Wonne" ist ein phantastischer Roman, der sich selbst nicht sehr ernst nimmt, dafür aber unsere nur an Profit und Wachstum orientierte Welt ständig persifliert. Die Geschichte ist allerdings keine "Fantasy" im landläufigen Sinne. Obwohl Raumfahrt und Zeitreisen wichtige Rollen spielen, wollte ich dem Roman das SF- Etikett nicht umhängen, weil viele Leser das Buch gar nicht in die Hand genommen hätten, würde SF draufstehen. Das Buch ist ein Märchen für Erwachsene, die nie wirklich erwachsen wurden. Und damit kann ich gut leben. Es gibt viele tolle Bücher, die in gar keine Schublade passen wollen. TZN: Du hast das Buch in einem Eigenverlag herausgebracht. Weshalb? Und wie waren deine Erfahrungen?

Kummer: Die großen Verlage, die ich anfragte, wollten das Buch nicht haben, wäre ja auch reine Glückssache gewesen. Außerdem hat mir der Gedanke nicht gepasst, die Rechte an einen Verlag abzutreten. Der eigene Verlag macht mir sehr viel Spaß, wenn es auch eine tierische Arbeit ist, das Buch auch nur halbwegs bekannt zu machen. Doch als gelernter Buchhändler hatte ich diesbezüglich keine Illusionen.

Wirklich enttäuscht bin ich vom stationären Buchhandel, der sich, Ausnahmen bestätigen die Regel, völlig desinteressiert zeigt. Ich hatte das Buch im Rahmen einer Mailing-Aktion 200 Buchhandlungen mit guten Konditionen und vollem Rückgaberecht angeboten und nach Wochen eine einzige Antwort erhalten. Schade, gerade mit dem Engagement für solche Nischentitel könnten sich kleinere Buchhandlungen von den Ketten und Internethändlern abheben. Das Buch ist für den Buchhandel über Umbreit und KNV lieferbar. Aber jammern ist halt einfacher.

TZN: Du hast fünf Jahre an diesem Buch geschrieben. Das ist eine ziemlich lange Zeit. Warst du mal kurz davor aufzugeben?

Kummer: Niemals. Ich habe das "fertige" Buch nach drei Jahren Schreibarbeit im Urlaub gelesen und dann ungefähr die Hälfte davon weggeworfen. Ich war auf dem völlig falschen Dampfer, aber das war wohl nötig, um herauszufinden, wohin ich mit der Geschichte wirklich wollte. Nach weiteren zwei Jahren lag dann das Endergebnis vor.

TZN: Woran schreibst du gerade? Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Kummer: Das aktuelle Buch wird durch einen neuen Schutzumschlag optisch aufgepeppt, denn mit dem jetzigen Einbandmotiv bin ich nicht sehr glücklich. Im Frühjahr erscheint "Die Wonne" dann als E-Book. Möglicherweise wird es Wonnefried demnächst auch als Plüschtier geben. Ein Prototyp wird gerade hergestellt.

Ich schreibe bereits an Band 2 und hoffe, künftig auch noch andere Autoren mit witzigen und fantastischen Geschichten für meinen Verlag gewinnen zu können.

TZN: Du beschreibst deine "Hauptdarsteller nicht sofort". Warum nicht? Und wie bist auf das Aussehen dieser sympathischen Figuren gekommen?

Kummer: Ein waschechter Wonnewusel mit einem Groompf im Rücken ziert den Umschlag, deshalb habe ich mir nicht die Mühe gemacht, die Wesen als solche detailliert zu beschreiben. Bisher gab es noch keine Leser, die damit Probleme hatten. Schwierig war es allerdings, die Welt mit ihren Eigenheiten und Gebräuchen auf möglichst unterhaltsame Weise vorzustellen. Die Wonnewusel haben sich, wie gesagt, im Laufe vieler Jahre entwickelt. Groompfe, Chronohupfe und all die anderen Wesen habe ich ziemlich spontan erfunden, auch dass Wuseldis keine Nase, sondern ein zartes Rüsselchen haben, hat sich erst beim Schreiben des Buches ergeben.

 
 

Wonnewusel sind im Universum genauso wahrscheinlich wie ein "Alien" oder die Menschheit.


TZN: Catering-Karawanen, Muschterung … hattest du nie Angst, dass einige Leser dein Buch für, sagen wir, zu albern, zu abstrus, halten und es einfach zur Seite legen?

Kummer: Never! Die hatte Douglas Adam, soweit ich weiß, auch nicht. Das Buch lebt ja davon, dass es sich nicht ernst nimmt. Wir reden hier ja schließlich über phantastische Literatur. Die Geschichte ist unter den Bedingungen der Welt, in der sie spielt, konsistent. Niemand hat über "Alien" gelacht und es als abstrus abgetan. Wonnewusel sind im Universum genauso wahrscheinlich wie ein "Alien" oder die Menschheit. Außerdem ist die Natur unserer Fantasie immer sein Stück voraus und auch die Evolution bewies mit einigen ihrer Konstruktionen viel Humor. So albern wie sie kann ich gar nicht sein. Die Welt Massurgos ist eine Art Gegenentwurf zu unserer nach Wachstum, Geld und Macht strebenden Gesellschaft und, wie ich finde, ein sympathischer dazu. Manchmal wundere ich mich sogar, wenn ich höre, dass sich Leser vor Lachen kringeln. Wahrscheinlich kann man über seine eigenen Gags einfach nicht so herzlich lachen.

TZN: Du hast bei Amazon durchweg positive Kritiken bekommen. Hast du damit gerechnet? Und gab es irgendwo auch negative Kritik?

Kummer: Um es vorweg zu sagen: Ich habe niemanden bestochen oder überredet, gute Kritiken zu schreiben und ich bin unglaublich froh, dass mein Buch so gut ankommt. Es gibt einige, die sich an den Wälzer gar nicht rantrauen. Ich weiß auch von Lesern, die in die Geschichte einfach nicht reingekommen sind und das Buch wieder zur Seite gelegt haben. Das verstehe und respektiere ich. Ich selbst habe es beispielsweise nie geschafft, den "Herr der Ringe" zu lesen, obwohl das Buch Millionen begeisterte Fans hat.

Von all denen, die sich auf die Geschichte eingelassen haben und die ein Feedback gegeben haben, habe ich wirklich noch nie eine negative Resonanz bezüglich Story oder Lesbarkeit bekommen und das macht mich sehr glücklich. Um ehrlich zu sein, gibt es in der Handlung einen winzigen, fiesen Fehler, der bisher aber nur zwei Lesern aufgefallen ist.

TZN: Einige abschließende Worte?

Kummer: Die Geschichte von den Wonnewuseln ist auch als Satire auf die Menschheit zu sehen und ich finde, es täte auch uns gut, ab und zu nach den "6 Geboten Seiner Wonne Kingsize I" zu leben, die da heißen:

Du sollst jeden Tag ausschlafen!
Du sollst nur arbeiten, wenn du lustig bist!
Du sollst lecker und ausgiebig speisen!
Du sollst mancherlei Getränken zusprechen!
Du sollst dich mit Artgenossen amüsieren!
Du sollst dich nicht wie doof vermehren!

Ich denke, wenn wir nicht sieben Milliarden Menschen wären, wenn wir unseren Planeten besser behandeln und nachhaltiger wirtschaften würden, Religion und Geld keine solche Bedeutung zumessen und dafür mehr miteinander reden würden, wenn wir das Leben gelassener angingen, würden wir uns auf der Erde fast so bequem einrichten können wie die Wonnewusel auf Massurgo.

Das Buch ist auf den Karlsruher Büchertagen sowie auf den Stuttgarter Buchwochen vertreten. Voraussichtlich wird der Massurgo-Verlag im März 2012 wieder auf der Leipziger Buchmesse sein, die Standnummer steht aber noch nicht fest. Der Massurgo-Verlag ist auf Facebook vertreten, und auch Wonnefried Wusel freut sich immer über neue Freunde.

TZN: Vielen Dank für das Interview!

Kummer: Ich habe zu danken.

Weiterführende Links

  • Massurgo Verlag
    Die offizielle Verlagsseite.