Melanie Brosowski Autorin

Vom Schicksal der Redshirts

Wirft man einem Nicht-Trekkie das Schlagwort "Rothemden" um die Ohren, wird dieser einen verwirrt und leicht entsetzt anstarren und im besten Falle irgendetwas von "Das ist bestimmt was Klingonisches, du und dein 'Star Trek'" murmeln ...

Wikipedia ist da schon ein wenig auskunftsfreudiger. Gibt man dort "Rothemden" ein, erhält man den folgenden Eintrag:


Rothemden steht für:

  • die Freischärler Garibaldis beim sizilianischen Zug der Tausend

  • die Mitglieder der thailändischen National United Front of Democracy Against Dictatorship

  • Redshirt − Figur (vor allem einer Fernsehserie), die kurz nach ihrem Auftritt stirbt

Bilden wir uns jetzt erst einmal ein bisschen fort (und hinterher ein, wir hätten uns nützliches Wissen angeeignet − auch hier darf ich wieder Wikipedia zitieren):

"Als Zug der Tausend (italienisch spedizione dei Mille) bezeichnet man den Marsch einer 1067 Mann starken Truppe aus Freiwilligen, wegen ihrer Uniformierung Rothemden genannt, die unter der Führung von Giuseppe Garibaldi am 11. Mai 1860 auf Sizilien landete und im Zuge des Risorgimentos die süditalienische Insel von der Herrschaft der spanischen Bourbonen befreite."

"Die National United Front for Democracy Against Dictatorship ist eine politische Gruppe in Thailand, die nach dem Militärputsch am 19. September 2006 in Bangkok gegründet wurde. Im Volksmund und in der Presse wird sie auch "Rothemden" genannt."

Nun sind wir also etwas schlauer und können zur, zumindest für Trekkies, einzig richtigen Definition kommen: "Als Redshirts (englisch, zu deutsch etwa Rothemden) werden, in Anlehnung an die US-amerikanische Science-Fiction-Serie "Star Trek", Figuren bezeichnet, die kurz nach ihrem Auftritt sterben." Sprich, noch vor der ersten Werbepause ...

Meistens gehören die Redshirts zur Sicherheitsmannschaft, seltener zur Technikabteilung. Wie bemerkte ein Kumpel von mir einmal: Die Hemden sind bestimmt deshalb rot, damit man das ganze Blut darauf nicht sieht.

Wussten Sie übrigens, dass es ein Eau de Toilette für Männer namens "Red Shirt − Because tomorrow may never come" gibt?

Selbstverständlich haben die Redshirts auch eine − zugegebenermaßen relativ kurze − Existenzberechtigung, die produktionstechnisch begründet ist. Das Konzept der meisten "Star Trek"-Folgen war, dass die Hauptfiguren, zu 99 Prozent also Kirk, Spock und McCoy − zum Teil unter Spocks begründetem Protest, dass der Captain eines Raumschiffes gefälligst seinen Hintern im sicheren Kommandosessel zu lassen habe −, den Landetrupp bildeten und in Begleitung eines oder mehrerer Sicherheitsoffiziere einen fremden Planeten erforschten. Da man natürlich keinen der drei Hauptcharaktere sterben lassen konnte − im Übrigen fand ich persönlich es sowieso sinnfrei, ausgerechnet DREI Führungsoffiziere in unbekanntes Gebiet zu beamen − ließ man aus Dramaturgiegründen einfach ein anderes Mitglied des Außenteams sterben. Dies gab dann auch gleichzeitig McCoy die Gelegenheit, sein berühmtes "He's dead, Jim" zu sagen.

Aufgrund der geringen Lebenserwartung schenkten es sich die meisten Regisseure und Drehbuchschreiber, den Redshirts Namen zu geben und in den seltensten Fällen durften die Todgeweihten etwas sagen.

In der zweiten Staffel von TOS übertrafen sich die Drehbuchautoren beim Sterbenlassen der Redshirts selber. In der Folge "Die Stunde der Erkenntnis" ließen ganze vier Männer ihr Leben. In "Ich heiße Nomad" waren es ebenfalls vier und in "Ein Parallel-Universum" waren es drei. Nach Adam Riese (und Brehms Tierleben...) macht das elf Tote in drei Folgen. Wie die Enterprise mit dieser schrumpfenden Zahl der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ihre Fünf-Jahres-Mission überstanden hat, ist mir ein Rätsel.

Insgesamt starben in 79 TOS-Folgen 30 Rothemden. Für Statistikfreaks seien noch folgende interessante Fakten über TOS erwähnt: 41-mal sahen wir Spocks Nackengriff, 124-mal hörten wir Spocks "Faszinierend", 56-mal "Logisch", 35-mal "Unlogisch", 16-mal McCoys "Ich bin Arzt und kein ..." und 26-mal "Er ist tot, Jim". Wer will, kann nachzählen. Die Statistik kann man übrigens hier nachlesen.

Zwar wechselte die Farbe der Uniformhemden in den folgenden "Star Trek"-Serien und ab und zu starb sogar ein Hauptcharakter (Tasha Yar, Jadzia Dax), aber an der Gefährlichkeit, zur Sicherheitsmannschaft zu gehören änderte es nichts und die "Redshirts" wurden auch außerhalb von "Star Trek" bekannt und mit Kanonenfutter gleichgesetzt, wie zum Beispiel in der Zeichentrickserie "Futurama". Dort fügt Zapp Brannigan seinen Befehlen die Worte "Schickt die Rotröcke!" ("Send in the Redshirts!") hinzu. Natürlich sind seine Truppen rot uniformiert und die Befehle sind derart absurd, dass sie unweigerlich den Tod der Soldaten zur Folge haben. Auch in der Serie "South Park" müssen Personen mit roten Hemden ihr Leben lassen. Dort verlässt in der Folge "Griff in die Geschichte" ("City on the Edge of Forever" − eine gleichnamige Folge gibt es in TOS) ein namenloser Junge in einem roten T-Shirt mit "Star-Trek"-Logo den Schulbus und stirbt kurz darauf. Ja, und selbst andere Science-Fiction-Serien bedienen sich "Star Trek" und seiner Redshirts. In "Stargate − Kommando SG-1" in der Folge "Wahre Helden" erwidert die von John Billingsley (Dr. Phlox aus "Enterprise") gemimte Figur auf einen Vorschlag: "Da könnten wir uns ja gleich ein rotes Shirt anziehen!"